Mittwoch, 12. Januar 2011

Schuld

Liebe Aussenwelt, liebe Umwelt, liebe Mitmenschen,
ihr wisst gar nicht, wie sehr dieses Unbehagen einem den Schlaf raubt, wenn man ganz bewusst weiss, dass man seinen Blog auf die gemeinste Art und Weise vernachlaessigt. Aber ihr wisst auch gar nicht, was es alles fuer spannendere Dinge im Leben gibt, als immer auf den Blog zu schreiben. Da waeren Weihnachten am Strand, Reisen durch Costa Rica und Panama, einfach in der Haengematte liegen, das doch recht angenehme Sommerklima Costa Ricas geniessen - die Andeutung auf europaeisches Klima versuche ich zu lassen - und einfach nur mal nichts tun. Aber damit ist nun genug. Jetzt wird auf gearbeitet, was 3 Wochen lang vernachlaessigt wurde, kein Ausruhen, jetzt wird Blog geschrieben.

Kapitel 1: Sandige Weihnacht.
Betrachten wir die Sache mal so: Eigentlich ist Weihnachten am Strand gar kein Weihnachten. Zumindest versetzt es einen nicht in die dazugehoerige Stimmung, die Tannenbaum, Suessigkeiten oder Familie mit sich bringen. Am Strand wird dennoch ganz radikal probiert, die Menschen in eine Zwangsweihnachtsfroehlichkeit zu versetzen. Mittels einer lebensgrossen Weihnachtsmannpuppe, die kraechzend "Santa Claus is coming to town" von sich gibt, scheitert dieser Versuch aber schon grundlegend, vor allem dann, wenn Plastik-Santa leider bei "coming" einen Sprung in der Platte hat und wie bei einer Herzattacke ruckelnd, nur noch die Worte "is coming" von sich gibt.
Weihnachten am Strand ist auch grundsaetzlich eher sandig als schneeig. Aber immerhin hat man davon am Ende keinen Matsch und kann nicht ausrutschen. Zu fuenft  - mit Marie, Eirik, Nadia und Jessi - haben wir dann den ganzen Tag am Playa Conchal, vermutlich einer der schoensten Straende an der Pazifikkueste, verbracht und den wirklich schoenen Sonnenuntergang bestaunt. Anstelle von Kasseler und Kartoffelsalat gab es dann am Heiligabend ein "Zitronen-Pfeffersteack". Das war auch wirklich gut, der weihnachtliche Flair wurde aber eher durch die Geschenke hergestellt, die wir uns dann gegenseitig mitgebracht hatten. Nach dem Essen wurden dann die Ausgehmoeglichkeiten in dem Welt-Kuhdorf "Brasilito" mal unter die Lupe genommen und einstimmig als eher ernuechternd bewertet, Spass hatten wir dennoch.
Man kann sagen: Wir haben das Beste aus Weihnachten fern von der Heimat gemacht, aber naechstes Jahr wird dann das Familienfest um so mehr genossen.

Kapitel 2: Unterwegs.
Ich war unterwegs. 4 Tage vor Silvester, hat Nico es mit dem TicaBus in einer 36 Stunden langen Busfahrt erfolgreich gemeistert Liberia zu erreichen. 2 Tage haben wir dann in Liberia und im Umland in Hermosa und Buena Vista verbracht, bevor es am 29.12. mit dem Bus (leicht verspaetet - Sorry Jill!) nach Puntarenas und mit der Faehre auf die Halbinsel von Nicoya ging, wo unser Ziel Montezuma hiess. Das eigentlich wirklich kleine Kuestendorf, lebt vor allem durch Menschen wie wir, die den naheligenden Wasserfall oder die umliegenden Straende besuchen wollen und war deshalb auch - der Hochsaison entsprechend - gut bevoelkert. Die beiden Wassfaelle liegen ungefaehr 2 Kilometer vom Dorf weg und muessen erst durch eine Mischung aus Wandern und Klettern oder - Jills bevorzugte Fortbewegungsart - wahlweise durch Wasserwaten, erreicht werden. Jill wollte dabei die Wasserfestigkeit ihrer elektronischen Gegenstaende auf das aeusserste Testen und setzte sie einem Tauchgang aus, ueberraschenderweise ueberlebte so gut wie alles. Das soll mal einer verstehen. Nachdem wir nach kleineren Verirrungen den hohen Wasserfall erreicht hatten, von dem man aus ca. 12 Hoehe springen kann, nahmen Nico und ich die Chance auch wahr und sprangen in das tieferliegende - angeblich gefaehrliche, aber in Wirklichkeit harmlose - Wasserbassin, das in den naechsten (20 m hohen) Wasserfall fliesst. Der Rueckweg gestaltete sich dann einfacher, ein sehr netter Taxifahrer nahm uns fuer lau von dem hohen Berg, den wir haetten runterwandern muessen, mit zurueck ins Dorf. Dufte! Anschliessend erkundeten wir die umliegenden Straende, fanden einen recht menschenverlassenen, aber wirklich schoenen und wellenreichen Strand, ca. 20 Minuten Fussweg von Montezuma entfernt.
Am naechsten Morgen um 6 machten wir uns auf den Weg nach Manuel Antonio. Abgesehen davon, dass der Bus nach 2 Minuten Fahrt an einer steilen Auffahrt den Geist aufgab und wir in einen - fuer Tico-Verhaeltnisse erstaunlich schnell bereitgestellten - Ersatzbus umsteigen mussten, lief die Fahrt recht reibungslos und wir erreichten Manuel Antonio am Silvesterabend zum gemeinsamen Essen und anschliessenden Feiern in der Kleinstadt Quepos. Das Highlight dort war wohl die kolumbianische Feier zu der wir uns kurzerhand selbst einluden, wir aber auch nach kurzer Zeit ausdruecklich willkommen geheissen wurden und in den Genuss von Eselsfleisch und merkwuerdigem Schnaps kamen. Mit Abkuehlung im Hostelpool und anschliessender - man beachte: - heisser Dusche wurde der Abend besiegelt. Neujahr besuchten wir den naheliegenden Nationalpark und lagen mehr oder weniger den ganzen Tag recht traege an einem wunderschoenen Strand und konnten Affen und Waschbaeren beim Essen klauen zuschauen.
Naechstes Ziel der Reise war dann Bocas del Toro in Panama. Leider wurden wir mehrmals auf unserem Weg von verschiedenen Leuten ein bisschen - Sorry - verarscht. Zuerst mit einem 12 Dollar Busticket, dass man angeblich beim Grenzuebergang vorzeigen muss, dann aber doch ueberhaupt nicht braucht. Dann mit einer Busfahrt fuer 10 Dollar zum letzten Boot nach Bocas, dass man dann "zufaellig" verpasst und auf ein Privatboot zurueckgreifen muss, dass dann auch wieder 7 Dollar kostet und ersteinmal eine Stunde zum Tanken verschwindet. Die Ueberraschung war, dass das Boot ueberhaupt wiederkam, denn alle anderen Leute dieser ominoesene Reiseorganisation hatten sich schon rechtzeitig vorher verdrueckt, so dass wir alleine mit 10 weiteren Reisenden am Bootssteg sassen und uns schon auf eine gemeinsame Nacht, gestrandet in Changuinola, eingerichtet hatten. Als wir dann in Bocas endlich gegen 21:30 ankamen - merke: wir verliessen Montezuma um 6 Uhr morgens - hatten wir immerhin ein extrem cooles Hostel und eine Pizza, die den Abend retteten. Bocas del Toro an sich ist auf jeden Fall einer der coolsten Orte, den ich bisher gesehen habe. Wir hatten wirklich Glueck mit dem Wetter und versuchten uns sowohl im Surfen, als auch einfach nur im Sonnen und genossen das Nachtleben auf der Hauptinsel Colon auch fuer eine Nacht.
Nach 3 Tagen ging es dann den Weg zurueck nach Costa Rica, an die Karibikkueste in Puerto Viejo. Der Strand dort hat wirklich Stil, wir genossen jedoch mehr ein sehr leckeres Abendessen und den Fernseher in unserem Pensionszimmer. Man darf ja auch mal muede sein.
Am naechsten Tag brachten wir Nico dann zu seinem Flug in San Jose und Jill und ich machten uns auf den Weg zurueck zu mir nach Liberia. Nachdem wir uns 2 Tage von den Strapazen und Schlaflosigkeiten der letzten Tage erholt hatten, ging es fuer 2 Tage an die Straende in Tamarindo und Conchal, Jill, die nur das kalte Cartago kennt, sollte ja zumindest mal die Sonne Guanacastes auf ihrer Haut spueren.

Kapitel 3: Zurueck.
Nun ist auch genug gereist. Zurueck in Liberia haben meine Unikurse inzwischen wieder begonnen und ich komm zurueck in den Alltagstrott. Ab 1. Februar beginnen dann die Organisationstage in der Grundschule und ab 7. unterrichten wir wieder ganz normal. Was da genau an Klassen und Jahrgaengen auf mich zukommt, werde ich noch sehen.
Anonsten verbleibe ich mit liebem Gruss!

¡Hasta luego Amigos!

1 Kommentar:

  1. Glückwunsch von Christian, Sören, zu den schönen Erlebnissen und den tollen Bildern. Da kann man ja neidisch werden, hier im verregneten Hamburg bei 2°. Das mit dem Verarschen kenne ich auch gut, Andrea und ich wurden mal von einem Motocoche-Fahrer im Urwald in der Dominikanischen Republik stehen gelassen (ich Blödmann hatte den schon nach der Hinfahrt für alles bezahlt). War übrigens auch ein Inseltrip.

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